Für den Fall dass nochmal jemand fragt ob ich nicht den Highway nehmen kann um schneller voran zu kommen.  DAS ist ein Highway der zwei "Städte" über hunderte Kilometer verbindet ;)

 

 

 

Nicht schick aber manchmal die einzige Möglichkeit sich halbwegs gegen die Ameisen zu schützen 

Roadtrips

Nachdem die Zeit der Roadtrips nun erstmal vorbei ist, nochmal was allgemeines darüber.

Erstmal sind die Distanzen natürlich was ganz ganz anderes. Als wir im Norden keine Arbeit gefunden haben entschlossen wir uns dazu, einfach auf Verdacht, weiter Richtung Süden zu fahren. Daraus wurden etwa 2000km bis wir eine SMS mit nem Jobangebot bekamen. Alleine dass Jobs per Gumtree, Vergleichbar mit Ebay Kleinanzeigen, vergeben werden ist verrückt. Dass man ausserdem alles wichtige per SMS klärt und dann bereit ist hunderte Kilometer dafür zu fahren; total Verrückt.

Bis zum Arbeitsbeginn blieben uns noch 10 Tage und so verbrachten wir die verbleibenden Tage damit 500 km runter ans Meer zu fahren um anschliessend 1000 km nach Norden, zur Farm fahren zu müssen. 

Jetzt sitze ich auf der Farm, „in der nähe von Alice Springs“, wie es hiess und es sind knapp 300 km bis dorthin.

Ich bin in den letzten drei Monaten seit ich den Wagen habe etwa 16500 km gefahren. Um Sprit zu sparen und den alten Wagen nicht zu sehr zu fordern fahre ich nicht mehr als  90-100 Km/h, d.h. ich habe etwa 173 Stunden im auto hinterm Steuer verbracht.  

Die Fahrten selber sind meist sehr angenehm. Die hohe Sitzposition ist wirklich gut und auch wenn mein Sitz schon 22 Jahre und zig Ärsche hinter sich hat ist es doch ziemlich bequem. 

Es gab Strecken da ist mir am Tag gerade mal ein einziges Auto entgegen gekommen. Ansonsten geht es so oft einfach nur viele viele Kilometer geradeaus, das ist verdammt einschläfernd. 

Auch deswegen und aus langweile liege ich meist mehr im Sitz als dass ich sitze. Auch bin ich schon hunderte Kilometer im Schneidersitz gefahren oder mal mit beiden Füssen die aus dem Fenster hängen. Ein Glück dass ich nen Temporalen habe, keine Selbstverständlichkeit bei den älteren Wagen. Auch wenn das mit 140$ bestraft wird, wer soll was sagen. Australien ist ein Riesen Abenteuerspielplatz für mich und das nächste Auto hättest du schon lange lange vorher gesehen. 

Überall hängen Schilder die vor Kängurus, Emus oder Farmvieh warnen. 

Auch wenn ich tatsächlich schon ein Känguru in der Dämmerung überfahren habe, so sind diese doch nicht die grösste Gefahr. Als wir noch im Konvoi unterwegs waren kam es vor dass auf einmal Kühe auf die Strassen laufen. Die alten sind meist sehr entspannt, doch die jungen Kälber sind sehr nervös und hüpfen wie Hasen davon.  

Einmal stand ein Rind mitten auf der Strasse und wir mussten warten bis es sich bequemte die Strasse wieder freizugeben.  Ansonsten sieht man oft Schafe und Ziegen neben der Fahrbahn, natürlich alle freilaufend und ohne Zaun. 

Wäre mir also tatsächlich mal eins der Tiere vors Auto gelaufen und ich hätte gerade die Füsse draussen hängen oder würde darauf sitzen, so wäre ein Unfall kaum zu vermeiden gewesen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch recht gering und die Stundenlangen eher langweiligen Fahrten stumpfen dich ab. 

Genauso kam es oft vor dass mir während der Fahrt die Augen zugefallen sind. Nicht nur mir, auch bei anderen musste schon ins Lenkrad gegriffen werden weil man auf einmal auf der Gegenfahrbahn fuhr. Da kommt es uns zugute dass so wenig Fahrzeuge unterwegs sind und nur selten was passiert. 

Wesentlich schlimmer sind da die „Gravel Roads“, also die nicht asphaltierten Schotterpisten. An deren Rand sieht man immer wieder alte, kaputte Autos stehen und liegen. Alles Wagen die diese Strassen nicht geschafft haben. Das Abschleppen ist zu aufwendig und teuer also werden die Wagen einfach stehen gelassen. Es dauert auch nicht lange bis die Aborigines kommen und alles was verwertbar ist ausbauen. Sie hat kaum noch ein Wagen Reifen, Sitze, Batterien o.ä. 

Auf dem Grand Central Highway zwischen Uluru und Esperance an der Südwestküste war das etwa alle 10 km der Fall. Der „Highway“ führte etwa 1500 über Schottenpisten durchs Landesinnere und wir haben viele viele Wagen gesehen, davon aber kaum einen der noch fuhr. 

 

Zum Essen auf so einem Riadtrip gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wir haben lediglich einen Gaskocher dabei. Das Vorurteil, was sich leider immer wieder bewahrheitet sagt dass Backpacker sich ausschliesslich von Nudeln mit Tomatensosse ernähren ( dazu gibts den günstigen Wein im 4 oder 5 Liter Karton). 

Ich hatte das Glück mit einer Köchin zu reisen die sich damit nicht zufrieden geben wollte. Also gabs für mich auch mal frisch gebackenes Brot aus der Pfanne, Wraps, sogar mal Pizza und Burger.  Wenn man kreativ ist gibt es schon einige Möglichkeiten. 

Das nervigste überhaupt sind die Insekten. Australien ist ein riesen Land aber egal wo du hinkommst es gibt immer irgendwelche Viecher die dich nerven.  

Entweder hast du 5000 Fliegen um dich umschwirren die dir in sämtliche Körperöffnungen kriechen wollen. Ständig musst du dafür sorgen dass sie aus deinen Ohren kriechen oder sich nicht in deine Augen setzen. Oft genug haben wir ohne zu Frühstücken alles ins Auto geschmissen und sind geflüchtet, an einen Ort wo es weniger Fliegen gab. Mittlerweile freut man sich schon darüber wenn du 5 Fliegen um dich rumschwirren. 

Dass zig Fliegen über dein Essen laufen, daran gewöhnst du dich auch ganz schnell.

Gab es an unseren Schlafplätzen keine Fliegen, so kamen zur Dämmerung die Mücken raus ( die kommen auch gerne als Ablösung der Fliegen).  Besonders in Darwin im Norden wo es heiss und schwül war haben die Mücken uns überfallen. Ich selber habe Glück dass ich Fliegengitter vor den hinteren Fenstern habe und zusätzlich habe ich mir ein grosses Netz gekauft dass ich bei geöffneter Türe hinten vorhänge und so wenigstens ein bisschen Wind im Auto geht. 

Andere hatten da weniger Glück und sind total zerstochen worden.  Öffnest du nur kurz die Autotüre so kannst du die nächsten Minuten damit verbringen die Viecher in deinem Auto zu suchen.

Gibt es keine Fliegen und Mücken so laufen dir hunderte grosse und Kleine Ameisen über die Füsse kaum dass du einen Fuss vor die Türe setzt. Wäre das noch nicht schlimm genug beissen die Mistviecher. Ach ja, es gibt auch immer wieder Fliegen die Stechen, ähnlich wie Bremsen in Deutschland. Alles in allem bist du einfach froh wenn du am ende im viel zu heissen Auto liegst, dafür aber vor den Insekten geschützt bist.

 

Letztlich bleibt nur noch das Thema Hygiene. Tagelang nicht duschen zu können wird hier zur Normalität. Wenn man Glück hat und gerade ein Wassertap in der nähe ist, kann man seine Campingdusche auffüllen. Ein Schwarzer Plastiksack der sich in der Sonne aufwärmt und dir somit die Möglichkeit auf eine warme Dusche gibt. Nur leider willst du nach einem Tag bei 38 Grad im Schatten keine warme sondern am liebsten eine eiskalte Dusche also ist auch das keine wirkliche Erfrischung sondern nur eine Möglichkeit die anderen nicht zu sehr mit seinen Gerüchen zu quälen. Wobei ich sagen muss dass das wirklich auszuhalten war. Das hätte ich mir schlimmer vorgestellt. 

Wir nutzen also jede Möglichkeit uns abzukühlen und frisch zu machen. In manchen Orten gibt es kostenlose öffentliche Duschen, das ist schon purer Luxus. Und wie gut man sich nach so einer Dusche fühlt, nach Tagen bei über 30 Grad und keiner vernünftigen Wäsche,  das kann man kaum beschreiben.  Leider ist auch das alles nicht so toll und schön wie manche denken. Die Toiletten und die Duschen die man hier meist vorfindet würde in Deutschland niemand auch nur betreten. Dazu kommt dass nur wenige eine Möglichkeit bieten die Türe abzuschliessen. 

Die meiste Zeit schlafe ich auf kostenlosen Rastplätzen abseits der Strasse. Das kann ein LKW Parkplatz sein, schön asphaltiert oder aber ein ausgetrocknetes Flussbett dass man nur mit einem Geländewagen erreicht. Nur selten gibt es eine Toilette und doch ist dies meist ein einfaches Plumpsklo.  Wie ich mich über die erste Toilette mit Spülung nach Wochen gefreut habe weiss ich noch genau. 

Ich finde diese Plätze und auch alles andere wie Orte zum Wasch- und /oder Trinkwasser auffüllen, aber auch Sehenswürdigkeiten, Duschen und Toiletten, Waschsalons, Picknick und BBQ Plätze über eine APP namens Wikicamps. Ohne diese App wäre ich und auch alle anderen hier total aufgeschmissen. Nahezu jeder kennt und nutzt Sie, selbst die Australier die in ihrem Land unterwegs sind. Und selbst diese sagen dass sie sich nicht mehr vorstellen können wie sie es damals ohne Wikicamps geschafft haben.  Du hast einfach alle Informationen die du brauchst, und das sogar offline, dazu Kommentare von anderen Reisenden, Bewertungen und teilweise sogar Fotos und kannst dir so den besten Ort aussuchen.

 

All das zusammen sind so Kleinigkeiten die man hier echt zu schätzen lernt und darüber bin ich froh. 


Farmwork

 

In der „nähe“ von Alice Springs angekommen, verbrachte ich die letzte Nacht auf einem Campground am Roadhouse. Es war später Nachmittag und ich hatte keine Lust darauf die 90 km zur Farm im Dunkeln fahren zu müssen.

Nachdem wir am nächsten morgen nochmal etwas Ordnung im Auto gemacht haben, man wollte ja einen guten ersten Eindruck hinterlassen, gings los Richtung Farm. Die Zufahrt hätte ich beinahe verpasst, nur ein kleines Schild am Strassenrand deutet darauf hin dass ich hier richtig bin. 

Die Strasse war der Horror. Ich bin schon tausende Kilometer Schottenpiste gefahren aber das hier war eine der Schlimmsten.  Vor allem werde ich dabei immer echt genervt weil ich ans Auto denke und was gerade alles kaputt gehen kann und mich wieder eine Menge geld kostet.

Generell bin ich wirklich positiv überrascht wie viel dieser 22 Jahre alte Wagen schon mitgemacht hat.  

Im Auto wackelt und klappert einfach alles wenn du über diese Pisten fährst.  Da ich gelernt habe dass es besser ist schnell zu fahren, nahm ich manche Abschnitte mit 90 km/h. Bis dann ganz plötzlich der vernünftige ebene Abschnitt vorbei ist und die Strasse voller Schlaglöcher und Rinnsalen ist. Bei so manchem Schlag der durch Auto ging dachte ich echt das wars gleich.  Auch ist einer der Reifen nicht mehr der beste und es ist nur eine Frage der Zeit bis dieser Platzt und ich den neu gekauften Ersatzreifen draufziehen kann. 

 

Jedenfalls haben wir die 90 km dann irgendwann hinter uns gebracht, dabei haben wir schon regelmässig Rinder am Strassenrand aufgeschreckt. 

Kurz vor der Farm ging es dann aber erstmal nicht weiter. Als ich um eine Kurve bog lag plötzlich ein breiter Fluss vor uns.  Ich dachte das wars jetzt und wir müssen umdrehen. 

Als wir noch am Flussufer standen ( ein Riesen Rind neben uns am Grasen) erschien auf der anderen Seite eine Frau im Offroad Golfkart. Ich weiss nicht wie die Teile auf Deutsch heissen. 

Sie rief uns zu dass wir warten sollen, es kommt gleich jemand.  

Sie verschwand wieder und kurze Zeit später kam tatsächlich jemand die Ecke gefahren. Der Farmer mit einem Riesen Radlader. Es war schon beeindruckend wie diese riesige Maschine sich langsam einen Weg durch den Fluss bahnte. Damit war aber auch klar dass mein Wagen erstmal auf dieser Seite des Flusses stehen bleibt. 

Bei uns angekommen und nach einer knappen Begrüssung sollten wir all unser Zeug in die Schaufel schmeissen und uns einen Platz suchen. Lena kletterte auf die Leiter an der Seite der Fahrerkabine, ich wollte lieber in der Schaufel mitfahren. 

Echt ein lustiges Gefühl wenn du in dieser riesigen Schaufel stehst und sich die Maschine durch den Fluss kämpft. 

Das Wasser reichte locker bis zur Oberkante der rund 2m grossen Reifen, also keine Chance mit einem normalen Wagen dort durchzukommen.

 

Wir wurden vor mehren Wohncontainern abgeladen und konnten erstmal unser Zeug „verstauen“. 

Der Raum hat etwa 9m2, dazu ein 2 m2 Bad. Ein Grosses Bett dass wir uns teilen, ein kleiner Schrank und sogar ein Fernseher.  Wenn ihr die Bilder in Deutschland seht werdet nur denken, was für ne Unterkunft. Aber ich freue mich total. zuerst natürlich über die Klimaanlage. Endlich nicht mehr so tierisch schwitzen beim schlafen. Dann, nach Monaten mal wieder ein vernünftiges Bett und sogar eine eigene Dusche :))  Und ich habe Bilder von anderen Backpackern auf anderen Farmen gesehen und dagegen ist unser Zimmer der pure Luxus. Die Farmen sind halt leider etwas älter. Kein Wunder wenn man jede Schraube über 300 km anliefern muss. 

Dass alles voll mit rotem Outback Sand ist spielt keine Rolle, den hast du hier überall und bekommst ihn auch nicht weg.  Die Dusche hätte man in Deutschland erstmal ne Stunde geschrubbt aber hier ist es gerade der pure Luxus.  

Das alles so winzig ist und man die nächsten Monate so aufeinander hocken wird wäre normal wohl ein Problem. Wir sind allerdings seit 2 Monaten zusammen unterwegs und während des Roadtrips lernt man sich gezwungener Maßen wirklich gut kennen, daher ist das das kleinste Problem. 

Die ersten Zwei Tage sind nun rum. 

Als wir ankamen wurden wir in die Küche gebeten und zuerst einmal wurde uns ein Bier angeboten. Es wäre ja Freitag Nachmittag.  Man will ja nicht unhöflich sein also lehnt man das nicht ab ;)

Wir unterhielten uns über alles mögliche und nach und nach kamen auch die drei kleineren Kinder dazu. Es war von Anfang an eine wirklich nette und entspannte Stimmung. Lediglich den Farmer kann man schwer einschätzen. Er ist ein sehr sehr ruhiger Typ, redet kaum und rein äusserlich ist er eher einschüchternd. Im Umgang mit den Kindern zeigte sich aber dass er echt ein liebevoller Vater zu sein scheint. 

Neben der kleinen Familie leben auf der Farm nur noch die älteste Tochter, die auch auf der Farm arbeitet und ein weiterer festangestellter Arbeiter. Diese waren allerdings gerade noch auf dem Farmgelände unterwegs und stiessen erst später dazu. 

Uns wurde ein Bier nach dem anderen hingestellt und ich bekam langsam ein schlechtes Gewissen. Nicht nur dass ich beim ersten Treffen ohne ende Bier trinken möchte, so weiss ich ja auch wie teuer das Bier hier ist. 

Spät am Nachmittag, als auch die letzten beiden nachhause kamen, gabs Abendessen.

Es gab Rinder geschnetzeltes mit Reis und Gemüse. Lustigerweise beschwerten sich erstmal alle darüber dass es Gemüse gab, Fleisch wäre genug. Das gefällt mir natürlich ganz gut. 

Man merkt dass die Familie fast ausschließlich unter sich ist. Alle sind locker und offen, aber die Manieren wie wir sie in Deutschland erwarten lassen manchmal zu wünschen übrig. 

Die große Tochter kommt rein, wird vorgestellt, trinkt was und rülpst laut ohne sich zu entschuldigen. 

Der Vater ist Kettenraucher und sobald er mit essen fertig ist zündet er sich sofort die nächste Zigarette an obwohl alle anderen noch essen. Das nur als Beispiele, gut dass ich damit kein Problem habe. Ich denke immer ab diese (blonden) Püppchen die gerade aus der Schule kommen und dann auf einer richtigen Farm landen. Könnte ein kleiner Schock sein. 

 

Auf der Farm haben Sie momentan etwa 10 Hunde, die teilweise auch zum einfangen der Rinder benötigt werden. Dazu zwei Katzen, ein kleiner Hund der im Haus lebt, einige Hühner von denen es frische Eier gibt, drei Pferde und ein Kamel. Vor dem sollen wir aber Respekt haben und uns nur nähern wenn einer der Familie dabei ist, Camel ( so heisst es) kann manchmal zickig sein. 

Dazu haben Sie hier etwa 10 Kälber im Stall stehen, die mit Milch und Heu grossgezogen werden.

Wirklich erstaunlich fand ich das mit den Hunden. Jedesmal wenn wir am Käfig der Hunde vorbeiliefen waren diese am bellen wie verrückt. Bis uns gestern Abend die Mutter mit rausgenommen hat und uns die Leithündin „vorgestellt“ hat.  Seitdem bellt keiner der Hunde mehr und akzeptieren uns vollkommen. 

Noch vor dem Essen halfen wir der kleinen Tochter dabei die Hühner zu füttern, Eier zu suchen und auch die Kälber mussten Milch bekommen. Dazu wird Milch in Plastikbehälter mit sowas wie Schnullern geschüttet an denen die kleinen dann saugen können. 

Dass sie mir beim verteilen der Milch ständig auf die Füsse getreten sind, störte sie überhaupt nicht.  

Die kleinen fahren hier schon wie selbstverständlich das Golfkart, mega cool. 

 

Ausserdem gibt es auf der Farm einen Schiesstand, ein Padock um die eher unruhigen Pferde zu reiten, ne grosse Halle mit Werkstatt und mehrere Hallen wo alle möglichen Fahrzeuge, Ersatzteile und Futter Vorräte lagern.  Zusätzlich dazu noch ein zweites Haus in dem die Kinder eine Zeitlang per School of the Air, also über Internet von der nächsten grösseren Stadt aus unterrichtet wurden. 

Mittlerweile sind die Mutter und die drei kleineren Kinder aber wieder in die Stadt zurückgezogen und nur noch in den Ferien auf der Station. 

Am Mittwoch werden Sie die Farm verlassen und kommen erst in einigen Wochen zurück. 

 

Am ersten morgen auf der Farm, nach einer wirklich erholsamen Nacht im richtigen Bett, gabs Frühstück nach Australischer Art. Spiegelei und Bacon, mehr nicht. 

Anschliessend begleiteten wir die ältere Tochter ein wenig um die Farm zu sehen und schonmal einen ersten Eindruck der Arbeit zu erhalten. 

Sie fuhr mit dem grossen Radlader übers Grundstück und wir sammelten Äste ein die beim letzten Sturm heruntergekommen sind, und das waren nicht gerade wenige. 

Hier auf der Farm wird einfach alles verbrannt, überall stehen alte Fässer rum in das man seinen Müll reinschneist.  Für so grosse Sachen wie die Schaufel voll Ästen gibt es eine grosse Grube in der alles gesammelt und in regelmässigen Abständen angezündet wird. 

 

Danach wurden wir noch etwas rumgeführt, durften im Golfkart mitfahren während 4 der Hunde auf der Ladefläche mitfuhren oder nebenher liefen. Die vier sind immer dort wo die Tochter ist, begleiten sie bei allem was sie tut. Auch die Pferde und Camel lernten wir kennen. 

Auf dem Kamel kann man sogar reiten, die Tochter nimmt ab und zu an Kamelrennen in Alice Springs teil.

 

In der Werkstatt schauten wir zu wie ein Reifen geflickt wurde und unterhielten und das erste mal länger mit dem Arbeiter und der Tochter die ein echt gutes Team sind. 

Es ist interessant mehr über das Leben auf einer Farm im Australischen Outback zu lernen. Keiner von ihnen hat eine Ausbildung und auch niemand von der Familie vermisst es mal Kontakt zu anderen Leuten zu haben. Sie sind glücklich auf ihrer Farm im nirgendwo, wo sie für sich sind und machen können was sie wollen. 

Nach erledigter Arbeit gab es natürlich erstmal wieder Bier. 

Momentan ist noch nicht so viel los, es ist noch zu heiss um mit den Rindern zu arbeiten. Etwa ab ende Februar geht das zusammentreiben los. 

Dazu kommt ein Helikopter und zwei weitere Arbeiter. Auf der Farm selber stehen zig Autos dafür zur Verfügung, dazu Quads, ein Motorbike und die Pferde. 

Mir wurde gesagt die Werkstatt wäre mein Bereich.  Leider waren alle ziemlich erstaunt dass ich kein Automechaniker bin, wovon Sie ausgegangen waren. 

Es stehen massenhaft Autos rum an denen Reparaturen zu erledigen sind.  Neue Kupplung einbauen, Windschutzscheiben einsetzen und zig andere Reperaturen. Dazu Reifen flicken und wechseln. Ausserdem ein Quad wieder zum laufen gebracht werden weil das zum einfangen der Rinder benötigt wird. Und zu guter letzte steht dort ein kleiner Tragschrauber oder Gyrokopter zerlegt herum der wieder fit gemacht werden muss. 

Alles in allem bestimmt eine verdammt interessante Erfahrung und viel zu lernen. Abwechslungsreich ohne Ende. Jedoch bin ich etwas skeptisch ob ich die Arbeiten zur Zufriedenheit des Farmers erledigen kann, ich bin halt doch kein Automechaniker.  In Australien gibt es diese Unterschiede in den Berufen nicht wie bei uns. 

Ich lasse mich überraschen und versuche mich schnellstmöglich einzuarbeiten und mich mit der Arbeit vertraut zu machen. Viel interessanter finde ich jedoch wenn es ans einfangen der Rinder geht. 

Ich habe schon angesprochen dass ich gerne mal Reiten würde, vielleicht zeigt die ältere Tochter mir das mal. Sie kümmert sich um die Pferde und schien nicht abgeneigt zu sein. 

 

Ausserdem muss ich definitiv mein Englisch verbessern. Ich sitze oft daneben und verstehe kein Wort. Was weniger daran liegt dass ich die Wörter nicht kenne als daran dass die Familie und auch der Australische Arbeiter einen sehr starken Akzent haben. Daran muss ich mich echt schnell gewöhnen sonst könnte es Probleme geben. 

 

Ich soll später auch alleine auf dem Farmgeländer herumfahren und die Zäune und Wasserlöcher etc. kontrollieren.  Als tipp kam auch hier wieder;  hab immer genug Wasser dabei falls du liegen bleibst und entferne dich niemals vom Auto sonst finden wir dich nie wieder. 

 

Der nächste Nachbar, das Roadhouse von dem ich gekommen bin ist 100 km weit weg. In der nähe der Farm gibt es eine Schottenpiste die als Landebahn für den Royal Flying Doctor Service genutzt wird, falls mal was schlimmeres passiert.

 

 

Zu der Farm selber, damit ihr eine ungefähre Vorstellung davon bekommt wovon ich rede; ich kann es mir bisher selber kaum vorstellen.

 

Ratingen hat insgesamt eine Fläche von etwas weniger als 89 km2

Der kreis Mettmann hat eine Fläche von etwa 407 km2

Hamburg hat etwa 755 km2

Luxemburg hat etwa 2586 km2

 

Die Rinder Farm hier hat eine Fläche von 4628 km2 !!!

 

 

Alle 2 Wochen etwa werden alle Wasserlöcher und Einzäunungen abgefahren. Alleine für den südlichsten Teil der Farm benötigt man einen ganzen Tag und fährt etwa 450 km umher. 

 

Trotz der wirklich riesigen Fläche hat die Farm „nur“ etwa 4000 Rinder. Sobald wir anfangen diese zusammenzutreiben wird es keinen Freien tag in der Woche mehr geben und es wird von 4 Uhr morgens bis spät Abends gearbeitet. Das wird hart aber verdammt interessant. 

 

Die Familie selber ist echt cool und entspannt. Wir wurden sofort nett aufgenommen und sollen uns wie zuhause fühlen. Und das müssen wir auch. Heute früh zum Beispiel kamen wir ins Wohnhaus und niemand war zu sehen. Also bedienten wir uns selber und machten uns Frühstück. Als wir fast fertig fahren kam die Mutter rein und meinte, super dass wir uns selbst bedienen, Sie hat keine Zeit sich komplett um uns zu kümmern. 

Im „Esszimmer“ neben der Küche steht ein riesiger Schwarzer Klotz aus Stahl, ähnlich einem riesigen Tresor.  Das jedoch ist das Kühlhaus, mitten im Esszimmer, schon skurril.

Immerhin gibt es täglich frisches Fleisch, die Familie Schlachtet selber. 

Wenn das Essen ausgeht wird eins der Rinder gefangen, geschlachtet und in der Küche zerlegt. Da bin ich auch gespannt drauf, schaue ich mir gerne mal an. 

Heute Nachmittag haben wir uns die Umgebung angeschaut. Eigentlich sind wir nur einen Sandhügel hochgestiegen von dem man eine schöne Aussicht über die Farm und einen (kleinen) Teil des Geländes hat. Mehr als Sandhügel und Staub ohne Ende gibt es hier auch nicht.  Dafür begleitete uns einer der Hunde und rannte nur von Schatten zu Schatten wo er immer wieder auf uns wartete. Nur ab und zu mussten wir ihn zurückrufen weil er gerne die Rinder ärgert.

 

Auf Energie achtet hier auf der Farm und auch generell in Australien wirklich niemand. Als wir ankamen stellte man unsere Klimaanlage auf 16 grad, ließ aber die Türe weit offen stehen. Dasselbe im Wohnhaus. 

Strom kommt immerhin von Solarpanelen, erst wenn dieser nicht mehr ausreicht schaltet sich ein Dieselgenerator ein. 

Das Wasser ist meist Regenwasser zum trinken Bzw. Grundwasser für den Rest. 

Diesel und Benzin für die Maschinen wird regelmäßig mit einem LKW angeliefert und die Einkäufe werden online bestellt und dann vom Vater in Alice Springs einmal im Monat abgeholt. Da muss man schon gut planen können. 

 

Genauso seltsam ist es wenn die Klimaanlage auf 25 grad eingestellt ist und man friert. Über Nacht wird sie also wieder auf angenehme 29 Grad hochgestellt um gut schlafen zu können :) 

 

Ich glaube am ende der Zeit auf der Farm kommt man als ziemlich neuer Mensch zurück. Aber auch mit tausenden neuer Eindrücke und Erlebnisse. 

 

Fotos und Videos kommen später, das Hochladen klappt mit dem Satelliten Internet leider nicht so gut.

 

Schon zwei Wochen bin ich jetzt auf der Rinderfarm. Die Zeit rennt.

 

Ende der Woche und ich merke auch jetzt wieder wie es von Tag zu Tag schwieriger wird aus dem Bett zu kommen.  Die Tage sind gar nicht mal so lang, wir arbeiten täglich bis etwa 17 Uhr aber bei 42 Grad im Schatten ist jeder Schritt in der Sonne zu viel. Und in der Werkstatt steht die Luft. 

Trotz allem muss die Arbeit erledigt werden.  Ich habe in der Zwischenzeit mit Hilfe der anderen einige Autos fitgemacht; Reifen, Bremsen und zig andere Teile erneuert, das Differentialgetriebe mehrerer Autos komplett zerlegt um die Lager und Dichtringe zu erneuern,  Kuhfänger und Schnorchel zerlegt und neu zusammengesetzt und vieles vieles mehr.  Echt interessant das alles mal zu sehen.

Weniger schön ist dagegen dass hier auf Arbeitssicherheit überhaupt keine Rücksicht genommen wird. Da bin ich als Deutscher wahrscheinlich noch zu verwöhnt.  Alle paar Tage wurde das Motor- und Getriebeöl abgelassen, Bremsflüssigkeit und was es sonst noch an Flüssigkeiten gibt. Um das nachher in einem grossen Fass zu sammeln tauchst du deine Hände schön in einen grossen Trichter um den Abfluss zu öffnen und hast das Zeug hinterher überall kleben.  

Bei Schweissarbeiten, beim Flexen, auspusten mit Druckluft usw. wird auf Schutzbrillen komplett verzichtet, Gehörschutz gibt es keinen und auch keine Handschuhe. 

Die Tage bohrte der andere Mechaniker an einem langen Stück Flachstahl ein Loch und legte es dazu auf seiner Schulter ab ( die Bohrmaschine steht auf Augenhöhe). Wäre der Bohrer verkantet, hätte der jetzt keinen Kopf mehr.  Kein Wunder also dass wir alle mittlerweile zig kleine Wunden haben, der Mechaniker heute was ins Auge bekommen hat und momentan einäugig durch die Gegend läuft und der Farmer nur sehr schlecht hört. 

Immerhin haben wir auch den Gyrokopter heute fertiggestellt und zum Flugfeld, einige Kilometer entfernt gebracht.  Wobei ich die Landebahn erstmal suchen musste als wir davor standen.  Eigentlich besteht sie nur aus einem graden Stück Schotterpiste auf dem ausnahmsweise keine Bäume stehen.  Sonntag will Jim, der Farmer, seinen ersten Flugversuch starten. Bis dahin muss er sich noch ein paar Youtube Videos zu dem Thema anschauen.

 

Zur täglichen Routine ist es mittlerweile geworden morgens die Kälber rauszulassen und abends zu Füttern. Echt Süss die kleinen aber auch ziemlich gierig und dementsprechend wild. Ausserdem müssen die Hühner gefüttert und die Eier eingesammelt werden.

Ansonsten sind wir mittlerweile einige male mit raus aufs Farmgelände gefahren,  haben zugeschaut wie die Pumpen kontrolliert und der Wasserstand an den Wasserlöchern kontrolliert wird. Dazu haben wir noch neue Zäune aus Stacheldraht gesetzt und alte repariert.   Die Zäune verlaufen teilweise auch über den Fluss also mussten wir mit all dem Zeug durch den Fluss waten, was bei den Temperaturen aber eine schöne Abkühlung war.

 

Als wir vorhin an einem Wagen am arbeiten waren wurde uns auch mittgeteilt wie man sich das einfangen der Rinder vorstellt. Lene soll in dem Wagen hinter der Herde herfahren und die Bullen wenn nötig "anstupsen" wenn sie nicht weiterlaufen wollen. 

Ich dagegen werde wohl mit dem Quad unterwegs sein und dafür sorgen dass kein Bulle seitlich ausbricht.  Ich bin gespannt wie das wird, man hat uns schon einige Horrorgeschichten dazu erzählt. Da wurden gerade die Quadfahrer von den in die enge getriebenen Bullen angegriffen. Bei zig hundert Kilo die sie wiegen ist das sicherlich kein Spass.  Die Bullen hier sind nicht mit Deutschen zu vergleichen. Solch Massige Tiere habe ich noch nicht gesehen.

 

Alles in allem kann ich ganz zufrieden sein.  Wir haben jedoch beide etwas Probleme mit der Art der Familie. Diese stille, kühle art kennen wir so nicht und das ist doch recht ungewohnt.  Dazu zickt die 18 Jährige Tochter ganz gerne mal rum und versucht uns zur Sau zu machen wenn was nicht so läuft wie es ihr passt. 

Ich bin gespannt wie es weitergeht. 

 

Wir überlegen morgen die 300 Km nach Alice Springs zu fahren um unsere Vorräte an "Luxusgütern" aufzufüllen.  Gerade ist der Fluss den wir überqueren müssen relativ niedrig sodass ich mit meinem Wagen gerade so durchkomme. Nächste Woche soll er wieder ansteigen und damit für Autos unpassierbar werden.

Der Farmer und sein Mechaniker trinken jeden Abend einige Bier, Mittags gibts Cola und Limo, wir jedoch bekommen nichts davon da wir uns nichts selber mitgebracht haben.   Unter Komplettverpflegung verstehe ich was anderes. 

Die kleine denkt Sie bekommt Milch von mir...

 

 

 

Heute waren wir auf dem Gelände unterwegs und sollten eine Pumpe kontrollieren. Der Weg ist alles andere als gut, kommt auf dem Video leider nicht so rüber.

30.04.2017

 

Ob man es glaubt oder nicht,  ich lebe noch ;)

Die ungewollte Pause tut mir leid. Die 1-2 Stunden freie Zeit am Tag reichte einfach nicht aus um alle Erfahrungen ausführlich aufzuschreiben.  Oder aber ich war nach einem langen Arbeitstag einfach zu kaputt und wollte nur die Füße hochlegen und mich vom Fernseher berieseln lassen.

 

In den nächsten Tagen sollte es einen ausführlichen Erfahrungsbericht über die Arbeit auf der Farm geben sowie meine Pläne für die nächste Zeit.

Momentan befinde ich mich auf einem kleinen Rastplatz, direkt am Strand ( endlich wieder Meer und Strand!!) und ich tue nichts. einfach nur faul rumliegen, lesen, Filme schauen und der Brandung zusehen. Ich finde das habe ich mir verdient :p

17.05.2017

 

Seit dem letzten Beitrag ist ja nun wirklich (leider) eine lange Zeit vergangen und es ist so vieles passiert. Vieles was total besonders aber dennoch irgendwie zur Gewohnheit, zum Alltag geworden ist.  

Vorweg;  ich sage mir jeden Tag was ich für ein Glück habe hier sein zu können und mein Leben gerade so führen zu dürfen. Dass es etwas besonderes ist und viele bestimmt gerne mit mir tauschen würden. 

Auf der Farm hatte sich für uns tatsächlich so langsam der Alltag eingestellt. 

Um 7 Uhr aufstehen,Frühstück vorbereiten und danach die Kälber füttern.  Die Arbeit in der Werkstatt war anfangs vielleicht noch interessant weil sie neu für mich war. Nach insgesamt aber zwei Monaten hauptsächlich an den Fahrzeugen und Maschinen arbeiten war ich zum Ende einfach total genervt davon. Aufs Farmgelände rauszufahren war immer eine schöne Abwechslung und wesentlich spannender. Ich bin ja schließlich nicht aus der Werkstatt in Deutschland raus um in der nächsten Werkstatt anzufangen. 

 

Jim, der Farmer, hatte inzwischen einige Testfahrten mit seinem Gyrokopter absolviert jedoch ohne abzuheben.  Dazu kam ein Gyrokopter Pilot extra aus Perth angefahren um ihm, wie es Vorschrift ist, etwa 20 Flugstunden zu geben und anschließend eine Prüfung durchzuführen.  Das alles klappte ohne Probleme und wir sahen die beiden immer wieder übers Farmgelände hinwegfliegen.   Ein paar Tage nachdem der Lehrer die Farm wieder verlassen hatte ging es dann zum ersten eigenständigem Testflug. Ich selbst war nicht dabei jedoch kam die Farmers Tochter in die Werkstatt und sagte wir müssten mit ihr zum Flugfeld rausfahren.  Beim Landeanflug ist irgendetwas schief gegangen und Jim ist abgestürzt. Nachdem ich den Gyrokopter auf dem Flugfeld liegen sah frage ich mich ernsthaft wie er das unverletzt überstanden hat. Das Gerät ist ein Totalschaden; die Rotorblätter und das Grundgestell total verbogen. Steuerknüppel, Heck"Flosse" und der Sitz sind abgerissen und auf dem Feld verteilt.  

Jim muss einen großen Schutzengel mit an Bord gehabt haben. Nüchtern wie er ist war sein einziger Kommentar; scheisse gelaufen, erzählt meiner Frau nichts davon. 

 

Leider sind auch wir Backpacker nicht ganz Unfallfrei geblieben. 

Auf dem Rückweg von der Arbeit an einem Yard für die Rinder kamen wir in der Kurve auf zu weichen Sand und das Heck brach aus. Lene, die am Steuer saß, versuchte noch die Kontrolle zurückzugewinnen was es wahrscheinlich nur verschlimmerte. Mit etwa 100 km/h schlitterten wir von der "Straße" ins Gelände daneben und krachten seitlich gegen einen Baum bevor wir auf die Straße zurückgeschleudert wurden.  Zum Glück kamen wir mit ein paar kleinen Schrammen und einem ziemlichen Schock davon. 

Auch da war die Reaktion des Farmers wieder ziemlich ruhig und Lenes Sorgen völlig unbegründet. Uns ging es gut, das war ihm am wichtigsten. 

 

Einige Tage später wurde entschieden dass wir den Abend im Roadhouse verbringen,dort zu Abend Essen und natürlich auch gemütlich was trinken. 

So wurde bereits um 13 Uhr in der Werkstatt das erste Bier geöffnet und bis wir um 17 Uhr die 90 km zum Roadhouse in Angriff nahmen hatten wir alle schon 6-7 Bier getrunken. Einschließlich Jim der fahren wollte.  Mir wurde jedoch versichert dass er ein "good drunk driver" ist. Für die Fahrt wurde natürlich noch eine Kühlbox mit 4 Bier für jeden gefüllt und auch im Roadhouse haben wir uns alle nicht zurückgehalten.  Und ja, wir sind auch gut zuhause angekommen.  Dass wir fast alle am nächsten Tag einen Kater hatten brauche ich wohl nicht erwähnen :) 

 

Auch eine wirklich interessante Erfahrung war das fahren der verschiedensten Fahrzeuge.  Ich habe jedes Fahrzeug der Farm mal gefahren, viele regelmäßig und diese Gelegenheit hätte ich in Deutschland einfach nie gehabt. Der kleine Bobcat Bagger mit Kettenantrieb mit dem ich stundenlang übers Farmgelände geschlichen bin um die Tröge mit Sand zu stabilisieren. Außerdem habe ich regelmäßig die Tiere mit Heuballen versorgt oder aber alte Schrottautos hin- und hergefahren wenn wir wieder Ersatzteile brauchten. 

Dann wären da mehrere, für deutsche Verhältnisse, Riesige Trucks auf die wir 6-7 Heuballen mit nem Gewicht von je 400 kg luden, den Bobcat oder Sand für die Tröge.  Die Fahrt mit diesen alten Maschinen war jedoch kein Vergnügen. Sie sind einfach nicht für holprige Schotterpisten gemacht und so kam es mehr als einmal vor dass man sich den Kopf am Kabinendach gestoßen hat wenn man wiedermal in die Luft katapultiert wurde. Angeschnallt hat sich nämlich niemand auf der Farm. 

Am meisten Spaß hat die Arbeit mit dem großen Radlader gemacht. Mit nem Gewicht von 16 Tonnen kann man damit so ziemlich alles bewegen. Mit der Maschine bin ich stundenlang von einer Ecke des Farmgeländes zur anderen gefahren, immer dorthin wo er gerade gebraucht wurde. 3 Stunden fahrt waren da mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit keine Seltenheit. Das hört sich langsam an, war auf diesen Wegen aber meist viel zu schnell. Ich habe alles mögliche damit angestellt, habe drei Anhänger mit Zäunen und Gattern durch die Gegend gefahren, abgeladen und ohne Ende Sand hin und bewegt.  Da war das abladen von großen Paletten in Deutschland eine sehr gute Vorbereitung. 

Außerdem bin ich auf der Farm das erste mal mit einem großen Anhänger  für Fahrzeuge oder beladen mit einem 800 Liter Wassertank  am Auto gefahren. Hört sich nicht besonders schwierig an, wenn jedoch die halbe Straße matschig ist oder unter Wasser steht und du immer wieder durchs Gelände ausweichen musst sieht das etwas anders aus. 

Dasselbe gilt für den Wohnwagen den ich etwa 60 km über die schlechtesten Wege der Farm ziehen musste. 

Zu guter letzt wären da natürlich noch die Quads die wir zum Mustering, also dem zusammentreiben der Rinder benutzten.  Diese Dinger sind der Wahnsinn. Power ohne Ende und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Ich habe versucht diese auch zu erreichen allerdings wäre das lebensmüde bei nicht asphaltierter Straße. Bis auf 100 km/h ging es aber schon hoch :)) 

Im Gelände zeigen sie jedoch erst richtig was sie können. Schnell und wendig und damit ideal um die Rinder zwischen den Bäumen und Büschen herzutreiben, über Sandberge und große Hügel. 

 

Zum Mustering kamen zusätzlich zwei Helikopter aus Alice Springs um die weit verteilten Rinder zu einer größeren Gruppe zusammenzutreiben. Gestartet wurde dann teilweise schon um 5 Uhr morgens. 

Wir alle auf unsere Quads, Motorbikes oder den zum "Bullcatcher" umgebauten Wagen, der die Rinder anschubst wenn sie nicht so wollen, waren über Funk miteinander verbunden.  Das Vieh wurde also von uns in vorbereitete Yards getrieben und in den nächsten Tagen sortiert.  Kühe, Kälber, Jungbullen oder die alten Bullen.  Nur die Jungbullen werden verkauft, alle anderen nach verschiedenen arbeiten wieder in die Freiheit entlassen.  Zimperlich darf man keinesfalls sein. Wir haben das ganze Vieh durch die Sortieranlagen geführt und alle haben ein Branding bekommen. Manche Bullen mussten kastriert werden was Jim ohne Betäubung o.ä. Mit seinem Taschenmesser durchführte. Wie genau das ablief erkläre ich wohl besser nicht näher, jedenfalls lagen hinterher überall die nicht benötigten "Reste" rum. 

Außerdem wurden allen Bullen die Hörner gestutzt um die Gefahr der gegenseitigen Verletzung zu reduzieren. Dazu wurde der Bulle in der Sortieranlage festgeklemmt und mit einem hydraulischen "Dehorner" wurden das Horn am Ansatz abgetrennt. Für mich überraschend war dabei dass es nicht nur totes Horn ist sondern nach dem abtrennen das Blut in einem hohen Bogen herausspritzte. Manchen Bullen wurde das komplette Horn samt Ansatz im Schädel entfernt was ebenfalls eine verdammt blutige und schmerzhafte Angelegenheit war. Auch konnte man danach in den Schädel des Bullen schauen, immerhin wurden die Tiere anschließend mit einem antibiotischen Pullover versorgt.  Das man hinterher voller Blut war blieb da natürlich nicht aus. 

Und wie man sich denken kann haben sie Angst oder sind wütend. Sie versuchen verzweifelt aus den Gehegen zu kommen, aus der Sortieranlage zu springen oder die Zäune umzurennen. Es ist erstaunlich was ein wütender Bulle für eine Kraft hat. Mit welcher Leichtigkeit er dicke Stahlprofile verbiegt und schwere Tore auffliegen lässt. Selbst wenn du auf der anderen Seite des Zaunes stehst springst du zurück wenn er auf dich losgehen will.  Und natürlich kommst du nicht drumherum dich auch ins Gehege zu begeben. Wir mussten die Bullen immer wieder von einem ins nächste treiben. Dabei blieben wir immer in Reichweite der Zäune um hinaufzuspringen und rauszuklettern falls nötig. Und das war weit mehr als einmal der Fall. 

Es war definitiv mal interessant das alles mitzuerleben allerdings reicht mir das dann doch für die nächste Zeit. Ich habe einfach zu viel Mitleid mit den Tieren. 

 

Als uns zwischendurch das Fleisch ausging wurde es dann Zeit zum Schlachten. Einiges Tages nach der Arbeit fuhren wir alle raus und suchten uns eine Kuh aus die Jim erlegte. Jona, der Farmarbeiter kam anschließend mit dem Bagger und transportiere sie nachhause nachdem ihr der Hals aufgeschnitten wurde damit sie auf dem Weg ausbluten kann. 

Noch an dem Nachmittag haben wir die Kuh gehäutet und soweit zerlegt bis wir zwei Kuhhälften hatten. 

Eine neue Erfahrung also wollte ich das natürlich auch ausprobieren und konnte meine Hälfte komplett alleine Häuten. Beim zerlegen des Brustkorbes kam die Kettensäge zum Einsatz und nachdem der Kopf abgetrennt und die Eingeweide entfernt waren, war die meiste Arbeit erledigt.  Und wir sahen aus wie Sau. 

Ich hatte die tolle Aufgabe den Kopf, Hufe, Herz, Lunge und was es da alles gibt am nächsten Tag in die Schaufel des Bobcat zu laden und auf dem Farmgelände zu entsorgen um keine Wildhunde anzulocken. 

Die Kuhhälften wurden für einige Tage zum trocken im Kühlhaus aufgehangen und anschliessend in der Küche weiterverarbeitet.  

Wir zerlegten alles, entfernten überflüssiges fett und sortierten sofort das Fleisch. Steaks, Filets und was es noch so gibt wurden sofort eingetütet und eingefroren. Aus dem Rest machten wir Hackfleisch Bzw. Würstchen.  

Ich finde das sollte jeder mal gemacht haben um zu wissen wo das Fleisch was wir so gerne essen herkommt. 

Der Tag an dem wir das Fleisch zerlegten war auch der Tag nach dem letzten langen Trinkabend.  Lene hat die Farm an dem Tag verlassen also wurde am Abend vorher nochmal ordentlich getrunken um sie zu verabschieden.  Natürlich gab es Bier, dazu später noch Wodka shots und Rum-Cola. Das war ein verdammt lustiger Abend, auch weil einige Tage vorher zwei neue Backpacker angekommen waren. Zwei deutsche Jungs die beim Mustering benötigt wurden.  

Als wir am nächsten morgen beim Frühstück saßen wollten nur Jim und ich etwas essen. Gut ging es mir bei weitem nicht, allen anderen war aber so übel dass sie nichts runterbekamen. Jim hat wohl eingesehen dass es so nichts bringt und uns alle nochmal zwei Stunden ins Bett geschickt. Doch auch danach war einer der Jungs noch nicht fit genug um sich mit dem rohen Fleisch zu beschäftigen und er durfte den Tag im Zimmer verbringen. 

 

Auf der Farm läuft vieles für uns deutsche ungewohnt. 

So hat sich der Farmer eines Tages bei der Arbeit ziemlich tief geschnitten und weil natürlich kein Arzt in der Nähe ist muss er sich selbst um alles kümmern. Also wurde die Wunde kurz vorm Abendessen  mit ner Salzlösung gereinigt und am Küchentisch eigenhändig genäht. Die Betäubung ist ja auch völlig überflüssig wenn man schon 5 Bier getrunken hat. 

Als er zum Ende des Farmworks hin dolle Zahnschmerzen bekam wurden diese einfach mit Schmerzmitteln behandelt statt in die Stadt zum Arzt zu fahren. Man sollte erwarten dass wenigstens dann auf Alkohol verzichtet wird aber zu den 2 Packungen Schmerztabletten am Tag!! wurde weiterhin jeden Tag sein Bier getrunken.  Der Kerl hätte durch die Gegend fliegen müssen :p

 

Nicht ganz so ergeht es leider den Tieren wenn sie krank werden. Unsere kleinen Kälber sind regelmäßig aus ihrem Stall abgehauen und zwei davon waren mehrere Tage verschwunden. Eins tauchte leider nicht wieder auf, das andere stand eines Abends wieder im Stall, war jedoch an der Schulter ziemlich stark verletzt. Ein großes Stück Haut fehlte und man sah die Bissspuren eines Wildhundes.  

Auf der Farm schien das keinen wirklich zu interessieren und so machten Lene und ich uns daran die Wunde zu reinigen und mit Pferde Antibiotikum-Spray zu behandeln. Das war wirklich eine widerliche Aufgabe weil sich nach einigen Tagen Maden in der Wunde eingenistet haben und wir bei jedem reinigen der Wunde die Maden aus dem Fleisch holen mussten. 

Nach einer Woche Behandlung und keiner wirklichen Verbesserung war es dann genug und Sally, die Tochter bekam die Aufgabe das Kalb zu erschiessen. 

Etwas ähnlich erging es einer kleinen Eule die bei einer Fahrt auf dem Farmgelände angefahren wurde.  Die kleine konnte ihre Beine nicht mehr bewegen und war somit nicht überlebensfähig. Jim hat es kurz gemacht und sie mit einem Schlag auf den Kopf erlöst.  Zimperlich darf man da draußen nicht sein. 

 

Ich wurde ja regelmäßig gefragt wie viele Schlangen und Spinnen ich denn schon gesehen habe. Um ehrlich zu sein habe ich nun in neun Monaten Rundreise durch Australien ganze drei Schlangen gesehen. Zwei davon auf dem Farmgelände und nur im vorbeifahren. 

Anders sieht das bei den Spinnen aus.  Neben einigen mächtig großen Spinnen die man immer wieder mal im Gebüsch sitzen sieht waren es auf der Farm immer dieselben.  Als ich den Deckel einer Pumpe anheben wollte und ohne nachzudenken drunter Griff sagte mir der Farmarbeiter ganz entspannt dass ich das so lieber nicht machen solle. Und zu recht, unter dem Deckel saßen gleich vier dicke Redback Spinnen. Diese sind giftig und tödlich. 

Ähnlich war es mit den Garten Möbeln wo ich mich nach der Arbeit gerne nochmal hingesetzt habe. Ohne nachzudenken natürlich. Bis ich eines Tages beim putzen sah dass unter allen Stühlen und Tischen Redbacks saßen.  

Nach genau 91 Tagen habe ich die Farm also zum Glück verlassen. 

Zum Glück deshalb weil es zwar eine interessante neue Erfahrung war, jedoch das Verhältnis zum Farmer und den Angestellten nicht so wirklich persönlich werden wollte. 


Wer etwas empfindlich ist sollte sich die Bilder vom Schlachten vielleicht nicht anschauen