Sydney- Berri- Adelaide

24.09.2016- 02.10.2016

 

Auf anraten jetzt auch mit Datum um alles besser nachvollziehen zu könen.

 

Die letzten Tage bzw. die letzte Woche war abwechslungsreich und spannend für mich.

 

Eigentlich war das Hostel bis Sonntag gebucht, ich hatte sogar noch um eine Woche verlängert aber nach weiteren Diskussionen mit meiner Reisebegleitung habe ich mich dann spontan dazu entschlossen dass es so nicht weitergeht. Das wäre nicht gut für keinen von uns.  Trotzdem schade, das hätte eine schöne Zeit werden können.

Andi hatte mich ja schon vorher gefragt ob wir nicht zusammen nach Farmarbeit suchen sollten und so habe ich alle Reservierung wieder rückgängig gemacht und ihm zugesagt.

Endlich kommst du mal aus Sydney raus, werden jetzt einige sagen.  Es hatte seine Gründe dass ich geblieben bin. 

 

Er hat dann über Facebook eine Jobzusage bekommen, 1200 km entfernt.  Eigentlich total bekloppt für eine so lose zusage eine so weite Strecke zu fahren. Aber hier anscheinend ganz normal und so sind wir das Risiko eingegangen und haben uns Samstag Mittag in den Wagen gesetzt.  Montag früh sollte ein treffen mit dem Farmer sein um zu schauen ob alles passt, was für uns bedeutete; bis Abends durchfahren, schlafen, dann sofort weiterfahren.

Obwohl wir beide nach der kurzen Nacht im Auto noch ziemlich müde waren sind wir nach knapp 14 Stunden Fahrt gut in Berri angekommen. Der Ort liegt mitten im Nirgendwo und ausser nem Supermarkt und ein paar kleinen Geschäften gab es dort nicht viel.

Untergekommen sind wir in einem Working Hostel wo Backpacker, die für verschiedene Farmen arbeiten, schlafen.  

Der erste Eindruck war wirklich ernüchternd. Nachdem ich in Sydney ja eher in besseren Hostels übernachtet habe, war dieses Hostel etwas ganz ganz anderes. Am liebsten wäre ich rückwärts wieder rausgegangen aber dafür haben wir schon zu viel investiert.

Also erstmal schön 125$ für die ersten Nächte bezahlen und einziehen.

Andi hat nen Lachanfall bekommen als die Bettwäsche verteilt wurde.  Rote Teletubbie Bettwäsche für mich, er hatte immerhin coole hellblaue Dinosaurier Bettwäsche :P

Andererseits sollten wir 10 Stunden am Tag arbeiten für 6-7 Tage die Woche, dazu ne Stunde Fahrt am Tag, da würden wir uns einzig darüber freuen ein halbwegs gemütlich Bett zu haben.

Wenigstens der Aussenbereich des Hostels war zwar eigenwillig aber ziemlich cool gestaltet. Es gab sogar eine Sauna und einen "Fitnessbereich".

 

Am nächsten morgen ging es also zum Farmer, einem Italiener der seit zig Jahren in Australien lebt.  

Er schien ein wirklich fairer Typ zu sein, hat uns erstmal eine Stunde erklärt wie die Arbeit ablaufen würde und was er von uns erwartet. Er erklärte uns dass die Arbeit nicht einfach sein würde aber wir sollten durchhalten und weitermachen.

Danach ging es schon aufs Feld wo er uns an den Pfirsichbäumen zeigte wie das "thinnig" funktioniert. D.h. das ausdünnen der Bäume. An jedem Ast hängen vllt 30 Pfirsiche, der Farmer braucht aber zwischen 5-7 damit sie vernünftig wachsen können, genug Platz haben und Sonne abbekommen. Dabei ist es wichtig immer die größten Früchte am Ast zu lassen und im Idealfall die auf der Oberseite des Astest, da diese mehr Sonne abbekommen und am ende süsser schmecken.

Und das alles in nem Wahnsinns tempo weil wir in den ersten Wochen nach Baum bezahlt werden sollen.

 

Also drei Tage lang am Baum gestanden und Pfirsiche abgepflückt. Am unteren Teil des Baumes war das eine einfache und angenehme Aufgabe, danach ging es allerdings auf die Leiter um auch an die oberen Äste ranzukommen.  Und das hält leider sehr lange auf. So haben wir nur ca. 6 ganze Bäume am Tag geschafft und das bei 8,50$ pro Baum. Nicht sehr lohnenswert. 

Was soll ich sagen,  nach drei Tagen Stumpfsinniger Arbeit alleine an meinem Baum reichte es mir schon wieder und meine Laune ging in den Keller. Ich konnte mir nicht vorstellen dass dies noch einige Wochen so weitergehen sollte, vor allem da wir erst nach 6-8 Wochen nach Stunde bezahlt werden sollten.

Also habe ich lieber frühzeitig mit dem Farmer gesprochen und ihm die Situation erklärt.  Ich bin nach Australien gekommen um die geilste Zeit meines Lebens zu haben und viele mit denen ich gesprochen hatte, erzählten mir dass die Farmarbeit die geilste Zeit ihres Lebens war.  Diese Arbeit allerdings würde niemals so eine tolle Zeit für mich werden.  Ich habe also gekündigt, aber damit haben sich nicht nur Probleme für mich ergeben sondern auch für andere. 

Till, der Besitzer des Hostels der uns den Job vermittelt hat, hatte uns schon vorher gewarnt dass der Farmer sehr schlechte Erfahrungen mit Backpackern gemacht hatte. Besonders mit Englischen weil diese ganz gerne mal von heute auf morgen verschwinden, deswegen wollte er nur noch deutsche backpacker haben und wir waren sein letzter Versuch.  So wütend wie der Farmer über meine Kündigung war wollte er gleich gar keinen Backpacker mehr haben und stattdessen billige Arbeiter aus Afghanistan einstellen.  Blöderweise waren auch noch zwei deutsche Mädels denen Andi in Sydney den Tipp mit der Farm gegeben hatte auf dem weg, wie wir 1200 Km. Vllt umsonst weil ich den Farmer verärgert habe?

Till war natürlich auch dementsprechend sauer auf mich, immerhin verliert er damit Leute die in seinem Hostel übernachten.

Glücklicherweise hatte Dino, der Farmer sich am nächsten Tag etwas beruhigt und Andi und die beiden Mädels die inzwischen angekommen waren konnten ihre Arbeit fortsetzen bzw. starten. 

Ich muss sagen nach den paar Tagen im Hostel fühlte ich mich trotz der etwas fehlenden Ordnung und Sauberkeit aber ziemlich wohl. Man hatte eher das Gefühl in einer grossen WG zu leben wenn sich abends alle auf die grosse Couch kuschelten. 

Das Wetter war ziemlich schlimm und eines Nachmittags ging plötzlich das Licht aus. Wie wir später nachlesen konnten war in komplett Südaustralien der Strom wegen des Sturms und Regens ausgfallen.

Also wurden einfach Kerzen und Teelichter rausgeholt, im ganzen Haus verteilt und man setzte sich zusammen, holte seinen Alkohol raus und trank gemeinsam. Das war wirklich eine ganz besondere Stimmung, wirklich schön. Wir haben bei Kerzenlicht Karten gespielt, einige kifften im Auto vor der Tür, was hier ganz normal ist,  und so viele Leute wie an diesem Abend kamen nicht mehr im Gemeinschaftsraum zusammen. 

 

Für mich stand derweil jedoch fest dass ich in die nächste grössere Stadt muss und das ist Adelaide, 240 km entfernt. 

Ich hatte von einer Freundin gehört dass Sie gute Erfahrungen mit Trampen gemacht hatte also wollte ich das auch mal ausprobieren. Allerdings war ich sehr skeptisch ob jemand bei nem Kerl genauso gerne anhält wie bei ner kleinen zierlichen Frau. 

Ich stehe also mit meinem 20 Kilo Rucksack an der Strasse und halte den Daumen raus. Die ersten 10 Minuten fahren alle vorbei und ich denke mir schon; was für ein Scheiss.  Dann hält jedoch der erste Wagen und nimmt mich mit in die nächste Stadt. Zwei Inder, wirklich nette Leute, wollten dort zum Gottesdienst und hätten mich ne Stunde später wenn dieser vorbei ist auch noch 60 km weiter ins nächste Dorf mitgenommen. 

Ich streckte also wieder den Daumen aus und glücklicherweise rief mir ein älterer Mann zu dass er mich ins nächste Dorf mitnehmen könnte. Besser als gar nichts, also eben  beim beladen seines Autos helfen und ab gehts. 

Ein wirklich netter und lustiger Kerl der vor 50 Jahren aus Holland kam. Leider war die Fahrt viel zu schnell vorbei und ich stand wieder an der Strasse.

Viele viele Autos sind vorbeigefahren, erstaunlicherweise entschuldigten sich wirklich viele dafür dass Sie nicht halten.

Dann jedoch hält wieder einer und als ich höre dass er tatsächlich bis Adelaide durchfährt kann ich es kaum glauben. Immerhin sind es noch knapp 200 km. 

Er, ein Australier der gerade von ner Baustelle in der nähe von Sydney kommt, erzählt mir dass er noch nie für Tramper angehalten hat. Bei mir hat er jedoch ne Ausnahme gemacht, was habe ich doch für ein Glück.

Wir unterhalten uns über alles mögliche und ich glaube jeder weiss dass ich nicht gerade der Profi im Smalltalk bin, von daher wird es immer schwieriger ein Thema zu finden. Aber wir unterhalten uns weiter, lachen viel und ich lerne wirklich noch einige interessante Sachen.  Nördlich von Adelaide ist die Fahrt dann zu ende.  In seinem Heimatdorf setzte er mich netterweise noch am Bahnhof ab.

 

Auf dem Bahnsteig stehe ich dann etwas verloren da weil ich keine Ahnung habe wo ich ein Ticket kaufen kann bzw. welchen Zug ich nehmen muss.  Aber ich hatte Glück, am Bahnsteig warteten zwei Australische Jungen, vllt 10 oder 12 Jahre alt und fragten ob Sie mir helfen können. Ich erklär ihnen die Situation und die beiden sagen mir genau was ich zu tun habe, wollen mir sogar im Zug dabei helfen das richtige Ticket zu ziehen.  Obwohl ich die 

Hilfsbereitschaft und Nettigkeit der Australier mittlerweile schon einige Male erleben durfte, überraschten mich diese Jungs. Wenn ich so an die Jugend in Deutschland denke, da wäre es etwas anders gelaufen. 

Ich musste lachen als die beiden mich für verrückt erklärten weil ich einfach so zu fremden ins Auto gestiegen bin, Sie hätten zu viel Angst entführt zu werden :D

 

Nach einer weiteren Stunde Zugfahrt endlich in Adelaide angekommen, schaue ich schnell wo ich denn heute Nacht unterkommen könnte. Ein Hostel ganz in der nähe des Bahnhofs sah vielversprechend aus, also los!

Das Zimmer teile ich mir mit einem alten Herren aus der Schweiz den ich schon kennenlernen durfte und zwei Mädels die ich dann nachher kennenlernen werde. 

Bisher gefällt mir Adelaide sehr gut. Obwohl es eine relativ grosse Stadt ist, kommt man sich vor wie in ner Kleinstadt, wirklich gemütlich hier.  

Aber mein Plan ist nicht lange hier zu bleiben. Ich möchte mir endlich ein Auto kaufen und so Reisen wie ich mir das vorstelle. Leider ist das hier, wo recht wenige Backpacker unterwegs sind, ziemlich schwierig also geht es morgen schon weiter ;)

 

 

Morgen geht's weiter! ;)